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8. März & warum ich mich am Weltfrauentag als Frau einfach nur müde fühle…

8. März – Weltfrauentag.

Und ich würde jetzt so gern einfach nur über all die großartigen starken Frauen in meinem Leben und da draußen schreiben. Aber, wie wie jedes Jahr, habe ich an diesem Tag ein eher bitteres Gefühl. Denn seien wir, bei allen Lobhudeleien der sogenannten „Powerfrauen“ und die punktuellen Fortschritte des Feminismus, doch mal ganz ehrlich… von #genderequality sind wir alle Lichtjahre entfernt. Immer noch!

Und besonders am Weltfrauentag, fühle ich mich als Frau einfach nur müde. Echt müde, nach 50 Jahren selber Frausein zu wissen…

… dass Frauen immer noch schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen… dass es für die meisten Jobs immer noch Zwangsquoten braucht, damit sie die gleichen Chancen haben… dass in den Regierungen vornehmlich weiße Cis-Männer über Belange von Frauen bestimmen… dass selbst der Feminismus oft vergisst, intersektional zu sein… dass an Frauen die meiste unbezahlte Care-Arbeit hängenbleibt… dass Frauen viel eher Gefahr laufen, in Armut zu enden…

Dass Frauen minütlich Opfer von meist männlicher Gewalt werden (oft  durch den Partner oder Ex, fast immer mit „Ansage“ durch Stalking und andere Drohungen)… dass Frauen in ihrem alltäglichen Leben ständig auf der Hut vor Übergriffen sein müssen… dass sie nicht mal eben nachts durch den Park laufen können, ohne Angst haben zu müssen… dass Gefahrenlage für Frauen in den letzten Jahren noch bedrohlicher geworden sind, weil sich in ihrer Männlichkeit geknickte „Incels“ im Internet gegenseitig in ihrem Frauenhass radikalisieren… dass Frauen, die online und öffentlich eine Meinung vertreten, systematisch getrollt, beschimpft und bedroht werden, um sie einzuschüchtern und mundtot zu machen… dass unsere Rechtssystem immer noch viel zu wenig gegen diese Form der gefährlichen und leider alltäglichen Misogynie tut…. und dass wir  nicht vorwärts kommen, was auch immer wir tun, solange nicht viel mehr Männer als Feministen und solidarische Allies an unserer Seite stehen. 

Es kotzt unfassbar mich an, dass ich meiner immer noch Tochter sagen muss, was mir mein Opa schon vor 35 Jahren gesagt hat : „Lass den Getränk nie irgendwo im Club stehen und hab deinen Daumen immer auf der Bierflasche – aus Gründen!“ Dass ich sie als Frau und Mutter bremsen muss, wenn sie mit einem kurzen Rock los will, weil ich Angst um sie haben muss. Und 1000 Dinge mehr, die längst anders sein sollten!!! Ich bin’s müde. 

Wie geht’s euch?

... macht es hübsch! Gruss

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4 Comments

  • Reply
    beate
    8. März 2021 at 18:20

    Liebe Nic, es ist ja eher schlimmer als besser geworden, trotz aller Freizügigkeiten. Angst muss Frau immer haben, dort wo sie ungeschützt herum läuft und letztendlich wird ihr vorgeworfen, dass sie sich zu freizügig angezogen hat….sprich im sexy Minirock herumlief. Es kommt niemand auf die Idee, dass mit Männern was nicht stimmt, die annehmen, sie könnten sich mal eben was nehmen, was ihnen nicht zusteht.
    Lieben Gruß
    beate

  • Reply
    Ines
    8. März 2021 at 19:42

    Ich hab zumindest das Gefühl, dass sich die Wahrnehmung dieses Tages in den letzten Jahren geändert hat – weniger Bullshit-Marketing-Aktionen, mehr Zahlen, Daten, Fakten bzw. Engagement in die richtige Richtung.

    • Reply
      Nic {luzia pimpinella}
      9. März 2021 at 11:29

      Also ich nicht nicht wirklich. Auch wenn ich es begrüße, dass die Diskussion um Frauenthemen diverser und intensiver geworden ist, hat auch die absurde Vermarktung des Tages zugenommen. Meine ganze Mailbox war voll mit Shopping Bullschit eMails und Rabatt-Atrionen zur „Feier des Frauentags“… WTF? Ich habe es zum Anlass genommen, einen ganzen Haufen Newsletter abzumelden und einen Kommentar zu schicken, dass der Frauentag kein Konsumfestival ist. Die kommerzielle Instrumentalisierung des Tages war noch in keinem Jahr so schlimm wie in diesem.

  • Reply
    Ilka
    13. März 2021 at 16:49

    Ja, und ich finde, es wird immer schlimmer (oder ich sehe mehr). Und am ätzendsten finde ich die Verharmlosungen und das Victimblaming.

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