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Der sozialisierte Rassismus in uns allen… und was wir dagegen tun können, wenn wir nur wollen

Der sozialisierte Rassismus in uns allen – und was wir dagegen tun können | luziapimpinella.com
Ich bin seit Tagen stumm hier und auch auf meinem Instagram. Ich habe am Dienstag, am ausgerufenen #blackouttuesday, kein schwarzes Quadrat gepostet, weil ich finde, dass das einfach nicht reicht. Irgendwie hatte ich das Gefühl, es reicht irgendwie nicht, sich „muted“, also stumm, gegen Rassismus und für #blacklivesmatter auszusprechen und  im wahrsten Sinne des Wortes „blauäugig“ zu denken, dass in einem selbst ja auch gar kein rassistischer Gedanke steckt. Das ist falsch, denn Rassismus ist ein Teil unserer weißen Sozialisierung. Es tut weh, das zu erkennen, aber es ist so. Nur, wenn uns das bewusst ist, können wir etwas daran ändern und wirklich anti-rassistisch sein. Das habe ich in den letzten Tagen gelernt, in denen ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, zu lesen, zuzuhören und mich selbst zu reflektieren.

Ja, wir Weißen müssen lernen, zuhören, sprechen, uns selbst kritisch hinterfragen. Den Rassismusvorwurf zulassen, anstatt ihn mit einem direkten Abwehr- und Relativierungsreflex abzuwehren…

Auch wenn wir uns selbst eigentlich gar nicht für Rassisten halten. Der Hashtag #alllivematters gehört leider genau so zu diesen Reflexen, wie auch der Ausspruch „Für mich gibt es keine Hautfarben“. Klar „gibt“ es für Viele von uns liberalen Weißen keine Hautfarben… weil unsere uns nicht benachteiligt. Easy as that. Gilt aber eben leider nicht für alle! Es geht auch nicht darum „politisch“ zu sein. Ich bin „unpolitisch“, kommt da oft. Es geht nicht um Politik, es geht um Menschenrechte. Also, fangen wir doch vielleicht mal bei dem sozialisierten Rassismus an, der heimlich doch in vielen von uns wohnt. Wenn wir ihn erkennen, dann können wir etwas gegen ihn tun. Sich selbst bei unbewusstem und „gar nicht böse gemeintem“ zu ertappen und zu reflektieren, kann ein erster persönlicher Schritt sein. Und wenn es erst mal nur dabei ist, dass wir „gewohnheitsmäßig“ den leberwurstrosa Buntstift unserer Kinder als „hautfarben“ bezeichnen…

Ich brüte seit Tagen darüber, was und wie ich hier schreiben soll. Mir geht so viel durch den Kopf, dass es mir fast unmöglich ist, es zu ordnen und in Worte zu fassen. Und ich weiß, dass ich absolut nichts weiß. Ich weiß, dass ich als weiße, privilegierte Frau nie im Leben werde nachvollziehen können, wie sich Blacks und Indigene People of Color {BIPOC} fühlen. Ich werde nie nachvollziehen können, wie sich alltäglicher Rassismus mir gegenüber anfühlt. Weil ich ihn nicht erlebe, als Weiße in einer Gesellschaft, die für Weiße gemacht ist. Es ist beschämend, aber ich habe keine Ahnung! Doch ich bin bereit, dazu zu lernen. Wie kann ich eine Verbündete gegen den Rassismus sein?

Der sozialisierte Rassismus in uns allen – und was wir dagegen tun können | luziapimpinella.comIch möchte heute einfach mal ein paar der vielen Ressourcen zum Thema Rassismus teilen, die mich ganz persönlich in den letzten Tagen zum nachdenken und reflektieren meiner eigenen Denkweise gebracht haben…

  • Das Hörbuch EXIT RACISM von Tupoka Ogette höre ich gerade und bin aktuell bei Kapitel 6. Ich habe jetzt schon viel dazu gelernt über die Entstehung, Strukturen und Wirkungsweisen von Rassismus in Deutschland und überhaupt. Ich habe mich hier und da ertappt gefühlt. Das ist vielleicht schmerzhaft, aber gut. Denn eigentlich möchte ich es doch besser machen. Falls es euch auch so geht, findet ihr das Hörbuch u.a. gratis bei Spotify HIER. Es ist unbequem, es ist lang. Aber vielleicht nehmt ihr euch die Zeit.
  • Während Sandra Maischberger mit ihrer mittlerweile ermüdenden Talkrunde mit irgendwie immer den gleichen Gästen, zum Thema „Rassismus“ wieder immer die gleichen Gäste einlädt… nämlich Weiße… muss erst eine Comedy Frau ran, um schwarze Stimmen ins weiße, deutsche Fernsehen zu bringen. Der Brennpunkt von Carolin Kebekus und Shary Reeves sei allen ans Herz gelegt. Vielleicht stellt sich ja auch hier ein „Wissen mach Ah!“ Effekt für Erwachsene ein.
  • Während ich @monakuehlewinds IGTV Video zum mit dem Titel „Rasism is everywhere. Let’s make a change.“ gesehen habe, konnte ich gerade 1x auf ihre Fragen, ob mir schon mal diese oder jenes in meinem Leben passiert sei, die Hand heben. Es war die letzte Frage. Wieviel beantwortet ihr als Weiße*r mit Ja?

Ein paar lesens- und teilenswerte Instagram-Posts zur Selbstreflexion ins Sachen Rassismus und White Allyship…

Ich habe übrigens auch deshalb nicht beim #blackouttuesday auf Instagram mitgemacht, weil ich folgendes dachte… Die Aktion sollte ursprünglich dazu dienen, Schwarze und #blacklivesmatter sichtbarer zu machen. Soweit so gut, die Idee. Aber wieviel mehr sieht man denn, wenn man eigentlich keinen oder kaum Instagram-Feeds von BIPOC folgt? Eben. Nichts. Mir ist diese Woche klar geworden, dass ich selbst nur einer winzigen Anzahl von Blacks und People of Color auf Instagram gefolgt bin. Also wie sollten sie da für mich sichtbarer werden? Mittlerweile sind es mehr Accounts geworden. Ich habe in den letzten Tagen viel Zeit damit verbracht, nicht nur bunte {und schwarze} Bilder zu liken, sondern zu lesen und zu hören, was Leute, die es besser wissen als ich, zu sagen haben. Vielleicht möchtet ihr das ja auch und findet BIPOC-Stimmen auf Instagram {u.a. eben jetzt auch verstärkt in meiner Liste mit Followings}.

Mag sein, dass es unbequem ist, sich mit seinem eigenen sozialisierten Rassismus auseinander zu setzen und sich selbst zu hinterfragen… und festzustellen, dass man vielleicht gar nicht so tolerant ist, wie man eigentlich denkt. Mag sein, dass es schwierig ist, Rassismus, wenn er uns im Alltag begegnet, auch mal offen beim Namen zu nennen. Mag sein, dass es mehr als unangenehm ist, mit Freunden und Familie darüber zu diskutieren und rassistische Denkweisen, Aussprüche oder auch „nur“ blöde Witzchen in Frage zu stellen. Ich finde das tatsächlich auch. Aber ich weiß, wir Weißen müssen es endlich tun. Denn Blacks und Indigene People of Color, können sich eben nicht aussuchen, ob Rassismus ein Thema ist, mit dem die sich gern befassen wollen. Sie erleben ihn einfach ungefragt – jeden Tag. Individuell, strukturell, institutionell. Es ist an uns, daran mitzuarbeiten, dass sich das endlich ändert.

luzia pimpinella Gruss Macht's hübsch!

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20 Comments

  • Reply
    Marion Stukenbrock
    5. Juni 2020 at 17:20

    Liebe Nic, sehr informativ ist dein Artikel, vielen Dank dafür. Mich beschäftigt seit langem auch das Thema moslemischer Feminismus, der leider auch oft genug bei unseren Feministinnen nicht ernst genommen wird.

  • Reply
    Sonja
    5. Juni 2020 at 18:58

    Danke für diesen tollen Post 💕

  • Reply
    Jessica
    5. Juni 2020 at 19:02

    Liebe Nic, vielen Dank für deine Denkanstöße. Ich glaube man kann sich gerade von dem anerzogenen Rassismus sehr schwer befreien. Was mir immer dabei hilft, falls ich mal in diese Situationen komme, sind die Momente in meinem jungen Leben, in denen ich als Blöde deutsche Kartoffel oder als Nazi (Deutsche sind ja alle Nazi‘s) betitelt wurde, nur weil meinen 10-jährigen Mitschülern die Argumente ausgingen oder sie es lustig fanden. Es hat mich jedes Mal getroffen. Ich wollte nicht so betitelt werden, da ich es nicht war und bin. Anscheinend hatten sie Rassismus zu oft erlebt. Was ich gerade im Nachhinein betrachtet furchtbar traurig finde, da sie noch Kinder waren. Man sollte jeden so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Man muss sich und sein Handeln hinterfragen, immer. Auch wenn es unangenehm ist, in der Hoffnung, dass sich in Zukunft etwas ändert, bei einem selbst, bei seinen Kindern, in der Gesellschaft und in der Welt.

    • Reply
      Nic {luzia pimpinella}
      6. Juni 2020 at 10:14

      Ja, und wir erleben solche Momente vielleicht einmal in Leben und sie treffen uns. Schwarze und PoC erleben so etwas jeden Tag.

      „Man sollte jeden so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.“ Absolut! Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber ich glaube, das wir da leider oft keinen so guten Job machen, wie wir denken. :/

  • Reply
    viva_la_mutti
    5. Juni 2020 at 19:28

    Wow, da hast du sehr viele Infos zusammengetragen, die bestimmt ganz viele Leute erreichen.
    Ich hoffe es so sehr! Wahrscheinlich wird nicht von jetzt auf gleich gleich das große Awakening eintreten. Und es wird immer Gegenstimmen geben, denen einfacher zu folgen ist, als den schmerzhaften Weg der Selbsterkenntnis zu gehen. Aber trotzdem… nach den schlimmen Gewalttaten und Morden an Schwarzen in den USA in den letzten Wochen, ist es ermutigend, dass endlich auch der unter den Teppich gekehrte Rassismus in den eigenen Wänden gesehen wird. Ich traue mich zumindest, endlich wieder optimistisch zu sein, dass sich hier etwas ändern wird. :-)

    Liebe Grüße aus Bochum!

    • Reply
      Nic {luzia pimpinella}
      6. Juni 2020 at 10:10

      Ich hoffe es auch so sehr! Ich kann es nicht wirklich beurteilen. Aber ich habe das Gefühl, es regt sich wirklich endlich mal was in den Köpfen von uns weißen Menschen? Das wäre wünschenswert.

      Liebe Grüße zurück! ♥

  • Reply
    Gunda
    5. Juni 2020 at 20:35

    Liebe Nic, danke für den tollen Beitrag! ❤️

  • Reply
    Verfuchstundzugenäht
    6. Juni 2020 at 14:13

    Danke! Ich werde etliche Stuppser aufnehmen und verfolgen.

  • Reply
    Silke
    6. Juni 2020 at 22:29

    Vielen Dank für diesen Post. Ich komme ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern, bin bereits mit 18 zum Studium fortgegangen. Ich lebe seitdem ein ganz anderes Leben als meine Familie, die sich nie von dort wegbewegt hat. Ich hab noch in den Ohren, wie mein Vater vor etlichen Jahren mal zu mir sagte: „Mach, was Du machen musst. Ich verstehe zwar nicht, was Du genau willst, aber mach… Hauptsache, Du kommst nicht mit nem Schwatten nach Hus!“ Es ist für mich in den letzten Jahren immer wieder ernüchternd klar geworden, wie engstirnig und unwissend in vielen Bereichen meiner ursprünglichen Heimat geurteilt wird, sei es zum Thema Flüchtlinge, Nationalspieler mit Migrationshintergrund, Globalisierung, Umwelt… Unwissenheit und fehlendes Bemühen um inhaltliche Auseinandersetzung ist ein allzu leichtes Argument, fehlende Perspektive und Grundabsicherung Alltag. Auch ich habe in den letzten Jahren es immer vermieden, meine Meinung zu äußern, wenn ich in der alten Heimat war, hab mir vieles angehört, aber selten etwas gesagt. Zumindest fange ich an, darüber nachzudenken, was ich entgegen setzen kann, wo ich vielleicht nicht mehr schweigen, sondern meine Stimme erheben muss…

    • Reply
      Nic {luzia pimpinella}
      8. Juni 2020 at 15:30

      Hallo Silke, danke für deinen sehr offenen Kommentar.

      Wenn man immer bleibt, wo man herkommt, fehlt einem leider oft der Blick über den Tellerrand, habe ich festgestellt. Das ist nicht nur traurig, sondern eben auch ein Teil des Problems.ich kann total verstehen, dass man einen Heimatbesuch eigentlich nicht mit solchen Auseinandersetzungen belasten möchte. Aber vielleicht haben wir das auch viel zu langer, der „Harmonie“ am Essenstisch wegen vermieden. :/

  • Reply
    anjaina
    7. Juni 2020 at 0:17

    Vielen Dank für den Artikel!

  • Reply
    Barbara
    7. Juni 2020 at 8:27

    Danke für diesen Beitrag.

  • Reply
    Annika
    11. Juni 2020 at 17:17

    Oh ja! Wir kämpfen immer und immer wieder diesen Kampf mit meiner Schwiegermutter.
    Wir haben unseren Kindern den Begriff „Schokokuss“ beigebracht.
    Sie nutzt den Begriff „Negerkuss“ und macht sich über die Kinder und uns lustig, weil wir dies nicht tun und uns „so haben“.
    Und dann kommt: „Ich bin nicht rassistisch; aber für mich wird der Sarotti Mohr auch immer der Sarotti Mohr bleiben. Und das werde ich auch nicht ändern!“ Sie wird in der nächsten Woche 72.
    Ich finde das sehr traurig : (

  • Reply
    Annika
    11. Juni 2020 at 17:18

    Das Foto mit den Händen ist sooooo schön!!!

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