MY 2 CENTS

Warum ich RuPaul’s Drag Race liebe und Heidis GNTM für den letzten Mist halte

Warum ich RuPaul's Drag Race liebe und Heidis GNTM überflüssig finde | Meine Netflix & Streaming Lieblinge | luziapimpinella.comIch freue mich schon seit Wochen drauf. Ab dem 30. Oktober zeigt Netflix die Staffel 10 von RuPauls Drag Race. Ich liebe diese Show, Luzie übrigens auch. Meistens haben wir ganz automatisch die gleichen Favoriten im Rennen um die Dragqueen Krone. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.

„If you can’t love yourself, how in the hell you gonna love somebody else?“ {RuPaul}

Amen! Es ist mein Lieblingszitat von Moderator*in RuPaul, selbst seit Jahrzehnten erfolgreiches Supermodel und Dragqueen, Das ist nicht nur an seine Mädels auf der Bühne gerichtet, sondern ebenso ein Reminder an seine Zuseher*innen und die ganze Welt. Allein wegen diesem einzigen Satz {und sonst noch Vielem mehr} kann eine Supermodel Show wie GNTM für mich im Vergleich schon einpacken – oder hat die je eine sinnvolle Botschaft gehabt? Ich kann mich nicht erinnern. Ganz im Gegenteil, ich halte es für fragwürdig, dass sich vor allem junge Frauen für dieses stereotype Schonheitswahn-Format so begeistern. Sie sollten alle lieber den Dragqueens zuschauen und vor allem zuhören. Dort geht es nämlich um mehr als Schönsein und darum, in eine oberflächliche, glattgeschmirgelte Mainstream-Schablone zu passen.

„Every time I bat my false eye lashes it’s a political statement.“ {RuPaul}

In RuPauls Drag Race müssen gesellschaftliche und persönliche Probleme auch nicht künstlich in die Show hinein geschrieben werden, weil es vielleicht gerade „in“ ist und den Zuschauer mitfühlen lässt. The struggle is real ,Baby. Davon haben die Dragqueens genug in ihrem echten Leben erfahren. Körperliche Gewalt, verbale Anfeindungen, unverhohlenen Homophobie, das Verstoßenwerden von den Eltern, Armut, Arbeitslosigkeit, Freunde die an Aids starben, Terroranschläge in Schwulenclubs, die zunehmend hasserfüllte Stimmung in einem Trump’schen Amerika. Diese Themen müssen nicht von Script-Schreiberlingen erfunden werden. Die Zuschauer*innen bekommen einen Einblick in die Nöte der Dragqueens von ihnen selbst und nie hat er/sie wohl das Gefühl, dass das Ganze aufgesetzt wäre. So wie in vielen anderen Casting Shows, in denen die Teilnehmer*innen eigentlich nur hübsche, nützliche Marionetten sind, die ab und an mal ein gescriptetes Luxusproblemchen offenbaren, um irgendwie authentisch zu wirken.

RuPaul’s Drag Race muss nicht künstlich ein politische Statements einbauen. {Okay, das tun die anderen auch nicht, da kommen solche Themen ja gar nicht vor.} Die Show selbst ist schon ein politisches Statement. „We’re all born naked and the rest is drag.“ Wie simpel und wahr das ist. Nur dass der Drag, den die meisten Menschen tragen von gesellschaftlichen Normen diktiert wird. Da sollte jeder mal drüber nachdenken.

Warum mir Ru’s gehauchtes „Sashay away“ sonst noch tausend mal lieber ist, als Heidis gefiepstes „Ich habe leider kein Foto für dich.“

Ja, auch ich habe damals die erste Staffel von GTMN gesehen. Wahrscheinlich übrigens die einzige, bei der man sich heute noch an den Namen und das Gesicht der Gewinnerin erinnert. Das Show-Konzept war neu, es war spannend…. irgendwie. Es kommt einem zwar nicht vor, als wäre es schon so lange her, aber es waren tatsächlich andere Zeiten damals.

Heute ist die Gesellschaft – dem Himmel sei Dank – so ganz langsam auf einem anderen Weg. Victoria’s Secret Styles ziehen nicht mehr so toll. Wirklich. Da muss man nur Berichte über den rapiden Rückgang der Umsätze lesen. Während andere hippe Marken, die keine Probleme damit haben, Frauen so zu zeigen, wie sie sind, ihre Umsatzzahlen kontinuierlich steigern. Echte Frauen mit Dehnungsstreifen, Speckröllchen, Narben, Pigmentstörungen, Dicke, Dünne, Junge, Alte. In bequemer Unterwäsche wohlgemerkt, die zuallererst mal ihr selbst gut passen und gefallen soll. Nicht den Kerlen. Aber ich schweife ab…

Nun, seit der ersten Germany’s Next Topmodel Folge hat sich sicherlich einiges gesellschaftlich getan. Auch an meiner eigenen Sichtweise wahrscheinlich. Und ich finde es mittlerweile unerträglich, dass es immer noch als gute Fernsehunterhaltung gilt, wenn junge Frauen, teilweise minderjährig, von einem Klum’schen Optimierungs-Feldwebel zu Supermodel-Klonen gedrillt werden. Da hilft es auch nichts, dass die GNTM-Macher ganz unbeholfen und ungeschickt das Thema „Diversity“ mit ins Supermodel-Boot holen möchten. Oder wenn Teilnehmerinnen mit ganz normalen, schlanken {!!!} Maßen als „curvy“ bezeichnet werden und ihnen bescheinigt wird, wie „mutig“ es doch ist, dass sie sich dieser Challenge stellen. Que le fuck???

Da kann ich ehrlich gesagt gar nicht soviel Chips essen, wie ich brechen möchte. Heidi Sweetheart, leider habe ich schon ganz lange kein Foto mehr für dich.

Natürlich ist und bleibt auch RuPaul’s Drag Race eine Casting Show. Eine kommerzielle Unterhaltungsshow, mit allem was dazugehört: Konkurrenz, Wettbewerb, Glamour und ab und an ein Bitch Fight. Aber in meinen Augen kann sie eben mehr als das übliche oberflächliche Larifari solcher TV-Formate. Sie kann die Gesellschaft ein stückweit verändern, indem sie uns Mainstream-Zuschauer*innen ein bisschen queeres Gedankengut nahebringt. Und das kann unserer heutigen Welt,  die sich gefühlt gerade am liebsten in eine patriarchalische Autokratie zurück entwickeln möchte, nur gut tun.

Zudem hat man hier das Gefühl dass allen Drag Race Kandidaten*innen immer mit Respekt und dem Ziel einer Förderung begegnet wird. RuPaul ist nicht nur Moderator, sondern auch Mentor. Es werden den teilnehmenden Dragqueens nicht {wie den GNTM-Models, deren Namen hinterher keiner mehr kennt} gloriose zukünftige Karrieren nur vorgegaukelt, sondern sie erleben einen echten Push. Und zwar alle. Viele von ihnen sind nach der Show zum ersten mal in ihrem Leben in der Lage, ihren Lebensunterhalt mit ihrer Drag-Kunst zu verdienen.

Never stay small or try to fit in. You were meant to stand out. You were meant to be a star!“ {RuPaul}… das scheint mir doch ein Lebensmotto, das sich lohnt … und bitte…  „Don’t fuck it up!“. Denn das Leben ist zu kurz, um ein Klon zu sein und in jede gesellschaftliche Schablone zu passen.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Kennt ihr die Drag Race Show und wie empfindet ihr sie? Seid ihr GNTM-Fans? Oder meint ihr auch, dass dieses Format eher in die TV-Mottenkiste gehört?

luzia pimpinella Gruss Macht's hübsch!

P.S. Übrigens, dass sich GNTM im letzten Staffel-Finale mit Dragqueens schmückte, leider nicht mehr als ein peinlicher Versuch von Pinkwashing…. und vielleicht auch das letzte verzweifelte Aufbäumen eines hoffentlich bald aussterbenden Formats.

P.P.S. Unvergessen für mich der Rant des klugen und viel zu früh von uns gegangenen Roger Willemsen zum Thema

You Might Also Like

5 Comments

  • Reply
    Marion Stukenbrock
    26. Oktober 2018 at 17:49

    Liebe Nic, vielen Dank für diesen tollen Artikel. Hoffentlich wird er fleissig gelesen
    Liebe Grüße aus Wistedt

  • Reply
    Petra
    26. Oktober 2018 at 20:56

    Liebe Nic, ich kenne die Sendung nicht, aber finde deinen Post wie immer großartig formuliert. Du bringst es auf den Punkt, zumindest was GNTM angeht, kann ich dir voll zustimmen. Heidis Sendung fand ich von Anfang schrecklich, glücklicherweise haben meine beiden Kinder an solchen Formaten kein Interesse und nehmen sich diese Mädels nicht als Vorbild. Ich selbst finde die Sendung extrem unerträglich und entwürdigend. Bleibt die Hoffnung, dass sich diese Formate irgendwann totlaufen. Vielleicht btauche ich jetzt doch mal Netflix…..LG Petra

  • Reply
    Birgit Meier
    27. Oktober 2018 at 14:36

    Moin, ich kenne RuPaul schon lange, aber die Show ist gänzlich an mir vorbei gegangen – da werde ich mich mal nächste Woche auf die Lauer legen – WER bitteschön ist Heidi?

  • Reply
    wegwunder
    27. Oktober 2018 at 20:57

    Jawoll! Ich bin ja ein grosser Fan von Kolumnen und Satiren und versuche mich immer wieder mal an dieser Textform. Hin und wieder hab‘ ich auch die Heidi auf die Schippe genommen und dann irgendwann endlich auch mal geguckt. Das ist dabei entstanden, wer mag kann mal reinschauen: https://wegwunder.ch/2018/05/26/ach-die-disclaimer-beachten/
    Und, vor allem den verlinkten Artikel mal besuchen, der Augen öffnet, wer hier was genau verdient (Die Topelmodelmaschine).
    Liebe Grüsse
    Sibylle

  • Reply
    Nina
    2. November 2018 at 17:39

    Hach, Nic! Ich stimme dir total zu <3 Ich liebe RuPauls Drag Race auch sehr und wünschte, auf Netflix wären mehr Staffeln verfügbar. Hast du schon Dancing Queen gesehen? Das ist auch richtig toll finde ich….

  • Leave a Reply