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gesellschaft

MY 2 CENTS

#my2cents | willkommen auf dem planet der affen

luzia pimpinella | #my2cents | gedanken zu sexuallen übergriffen an frauen und einer armlaenge abstand
männer sind vom mars, frauen von der venus heisst der titel eines populär-psychologischen
buches über den unterschied zwischen den geschlechtern. dabei ist
es doch in wahrheit noch ein bisschen differenzierter…. frauen sind
von der venus oder woher auch immer, manche männer sind vielleicht
vom mars und manche ihrer geschlechtsgenossen sind sicherlich vom planet der
affen.
ja, die übergriffe von
köln, hamburg und andernorts beschäftigen mich seit tagen sehr. sie kriechen
immer wieder in meine gedanken, so ekelhaft und übergriffig
wie die taten selbst. denn was dort passiert ist und jeden tag
anderswo passiert, betrifft uns alle. auch mich selbst und meine
tochter und alle frauen und mädchen. die gedanken darüber beschäftigen so sehr, dass ich heute nacht um 1 uhr wieder aufgestanden bin und sie niederschreiben musste. vorher hätte ich kein auge zugemacht. 
am wochenende
habe ich sehr viel mit meinem mann darüber geredet. über das leidige warum,
und weshalb und das was-dagegen-tun. mehr als einmal sah ich
überraschung, ja fast ungläubigkeit in seinen augen aufblitzen, als
ich von eigenen erfahrungen mit der spezies mann erzählte, die ich als mädchen
und als frau immer wieder machen musste. er konnte sich tatsächlich
kaum vorstellen, wie oft man als frau im alltäglichen leben sexistischem männergehabe ausgesetzt ist. wie sehr vorsicht
und argwohn vor männern ein frauenleben prägen. schon vom kleinkindalter an. aus gründen. kaum
eine frau kennt sie nicht, diese erlebnisse. einem  mann, auch meinem eigenen, sind sie weitgehend fremd. was? aber so schlimm kann das doch nicht sein… und heute ist das ja auch nicht mehr wie vor zwanzig oder dreißig jahren. 
aber doch! es ist so! 
es ist mir tatsächlich
scheißegal, welchen ethnischen oder kulturellen hintergrund oder
wahlweise welche auch, ach so gutbürgerliche, deutsche erziehung die männer
haben, die frauen sexuell bedrängen. die sie begrapschen, ihnen mit
sexistischen gesten zu nahe kommen, vulgäre sprüche über ihre körper machen, die ihnen unverhohlen anzüglichkeiten und obszöntäten von der anderen strassenseite aus zurufen… die… die… die…
offensichtlich ihren fortpflanzungsstummel mehr zum denken benutzen als
ihr hirn. es ist mir total scheißegal! denn für mich sind sie alle gleich. es sind wesen, die sich vom affen nicht nicht besonders weit
entfernt haben und das trotz millionen von jahren an menschlicher
evolution.
ich bin seit 21 jahren
mit meinem mann zusammen. ich gehe kaum mehr nur mit frauen auf die piste und bin
abends nicht allein unterwegs. ich entspreche mit meinem alter auch
wahrscheinlich nicht mehr dem allgemeinen beuteschema dieser affen. ja, ich
benutze das wort „beute“ ganz bewusst, wo wir uns doch hier so schön im
bereich der zoologischen psychologie bewegen. aber ich erinnere mich lebhaft an etliche sexualisierte männer-begegnungen im laufe meines lebens. 
da war der alte typ, der sich hinterm busch im schwimmbad einen runterholte und meine mutter, meine freundinnen und mich auf unserer decke beim picknick beobachtete. da war ich 8 jahre alt. 
der typ im zug, midestens 60 jahre alt, der versuchte, mich mit der ansage zu beeindrucken, dass er schriftsteller sei. er könne er mich
bedeutenden leuten der deutschen literaturszene vorstellen, wenn ich doch mal bei ihm vorbeikäme. ich wäre doch so ein intelligentes mädchen. da war ich 17 und auf dem weg von meinem freund nach hause. 
die jungen kerle, die sich einen
spass daraus machten, nachts im dunkeln, ganz langsam, im schritttempo
neben mir her zu fahren, während ich auf dem weg von der kneipe
nach hause war. jagen wir der kleinen mal angst ein, ist doch witzig, mögen sie gedacht haben. ich hatte währendessen den haustürschlüssel fest zwischen die finger
geklemmt, so dass er herausstakte und zur not vielleicht als waffe dienen konnte, wenn
ich gezwungen wäre, mich zu wehren. und natürlich ging ich einen zacken schneller, mit vor angst rasend pochendem herzen.
überhaupt… dieser
schüssel zwischen den fingern, fest in der faust. wie oft ich den in meinem leben umklammert habe, auf
meinen wegen allein als mädchen/frau, weiß ich nicht einmal. und wie oft ihr? ihr bin sicher, ihr wisst genau, wovon ich rede.
dann der klassiker… die
bauarbeiter oder andere männergrüppchen die einem hinterherjohlen und eindeutige angebote
machen. hey, hübsches fräulein! ich möchte das gar nicht weiter ausführen. die unbekannte kerle, die
einem bei diversen gelegenheiten unangemessen nahkommen… ups, ein
busenstreifer, wie konnte das passieren? bagatelle. männer sind nun mal so. auf einer party in die
ecke gedrängt werden, von angeschiggerten typen, die eine ganz
normale konversation schon für eine eindeutige aufforderung halten. voll normal. war ja auch alkohol im spiel! 
später dann hat nicht einmal ein kinderwagen samt baby verbale, sexistische
übergriffe von männern von mir abhalten können. da ich mein kind stillte,
hatte ich einen entsprechenden üppigen vorbau. ah, schlüsselreiz! der wurde dann eines
tages lauthals in einer u-bahn station von einer gruppe junger männer
maßgenommen und für echt geil befunden. hey, ist doch nur ein kompliment! 
das alles kam dieser tage wieder hoch und ich bin entsetzt, bei wie
vielen gelegenheiten ich selbst in meinem leben das ziel von sexueller belästigung und übergriffen irgendeiner form gewesen bin.
die prägung von uns als mädchen, vor solchen gefahren auf der hut zu sein, findet damals wie heute schon jenseits des windelalters statt. mein opa ist heute noch mit seiner angst um mich in meinen erinnerungen… du darfst niemals mitgehen, auch wenn ein mann dir katzenbabies verspricht! bis später ins erwachenenalter…  pass
bloß auf dein getränk in der disco auf, denn jemand könnte dir k.o.-tropfen hinein tun. schon damals! 
seit jahren habe ich nun selbst weitgehend ruhe. dies ist nicht einer veränderten gesellschaft zu verdanken sondern in meinen augen nur den bereits oben genannten, ganz persönlichen gründen. doch aber ich habe diese ganze scheiße, die mit völliger selbstverständlichkeit von manchen männern ausgeht, keinesfalls
vergessen. und plötzlich ertappe ich mich dabei, wie ich meinem kind
sage, es möge bitte keine zu kurzen röcke zur schule oder beim stadtbummel anziehen, es gäbe immer
typen, die würden das falsch verstehen… wie ich ihr jetzt schon
einschärfe, dass sie später ihr getränk im club oder in der kneipe
nie offen stehen lassen soll, dabei war sie bisher noch nie abends aus. tu dies nicht, pass da auf! lauter ratschläge einer ängstlichen, geprägten mutter. 
ich realisiere, dass sich nichts geändert hat. der spezies affe unter
den männern kann die evolution offensichtlich nicht beikommen. die
bleiben hartnäckig. und mir wird ganz übel bei dem gedanken, dass ich mein
kind schon bald allein in diesen affenkäfig schicken werde. es fällt
mir dieser tage wie schuppen von den augen… es hat sich tatsächlich nichts
geändert sein meinen erlebnissen! und ich bin jetzt 45 jahre alt.
wann bitteschön passiert
das endlich? wann?
eine armlänge abstand,
meine damen! das wird doch wohl ausreichen, um sich
testosterongesteuerte bagatellen vom hals zu halten! wir hören verhaltungsmaßregeln für die opfer anstatt klare ansagen, wie man denngedenkt, sexuelle übergriffe taten in zukunkt { und endlich!!!} zu verfolgen und zu bestrafen. das nenne ich mal
symbolcharakter! und um mich mal selbst vulgärsprache zu bedienen… das finde ich unfuckingfassbar! 
dass ich nicht allein bin mit meinen beschissenen erfahrungen, zeigen mir beiträge wie die von LINA MALLON oder von katja von KRACHBUMM. wie sie, vermisse auch ich sehr viel mehr stimmen zum thema! von uns frauen! den betroffenen! denn kaum einer von uns frauen und mädchen blieb in ihrem leben übergriffigkeiten einer gesellschaft erspart, die nach wie vor sexistische und sexualisierte taten von männern bagatellisiert, gerne unter den teppich kehrt und als erstes nach der rock-oder armlänge der frauen fragt. 
mädchen und frauen… werdet doch endlich laut!!!