Geht wählen – denn echte Demokratie fängt bei jedem Einzelnen an!

My 2 cents | Geht wählen - denn echte Demokratie fängt bei jedem Einzelnen an - Bundestagswahl 2017 | luziapimpinella.com

Geht wählen!

Das ist meine Tochter und sie hat schon gewählt. Da glaubt ihr jetzt vielleicht nicht, aber tatsächlich hat sie mit ihren 15½ Jahren neulich ihre Stimme für die Bundestagswahl 2017 abgegeben. Luzie ist eine von über 200.00 Schülerinnen und Schülern in Deutschland, die sich an der U18-Wahl beteiligt haben. Sie weiß schon jetzt, wie wichtig es ist, die einfachste Form der Demokratie-Mitbestimmung wahrzunehmen und sie weiß, dass sie auf jeden Fall wählen gehen wird, wenn ihre Stimme dann irgendwann auch zählt.

Wenn man sich das Ergebnis dieser Jungendwahl so ansieht, spiegelt sie keineswegs die momentanen Umfragen unter den aktuell wahlberechtigten Deutschen wieder. Man sieht zum Beispiel deutlich, dass die Jugendlichen viel weniger extrem wählen und einen viel größeren Fokus auf Umwelt und Klimaschutz haben. Wenn ich ehrlich bin, würde ich ein durchmischtes Wahlergebnis wie jenes sehr viel lieber annehmen als das, was wir vermutlich Sonntagnacht zu erwarten haben.

Mich persönlich hat während des Wahlkampfes, wenn man den überhaupt so nennen kann, wirklich verblüfft, dass ich so selten das Wort Klimawandel, Umweltschutz und Digitalisierung gehört habe. Themen, die für mich sehr große Zukunftsthemen sind und für die Generation unserer Kinder erst recht. Aber so lange wir hier in Deutschland noch nicht monatlich von Unwettern und Naturkatastrophen heimgesucht werden, oder solange wir uns selbst wirtschaftlich noch nicht komplett vom Rest der Welt haben abhängen lassen, ist das wohl noch nicht so akut. Vielleicht sind aber die Zielgruppen des Wahlkampfes einfach zu alt. Bei denen punktet man mit solchen Themen nicht. Sarkasmus an. Sie werden ja schlimmeren Folgen des Klimawandels nicht mehr erleben. Nach uns die Sintflut. Sarkasmus aus.

Für den Moment ist meine Tochter Luzie alt genug, um eine klare Meinung zu ihrer eigenen Zukunft zu haben. Aber zu jung, um diese wirkungsvoll kund zu tun. Sie ist bei der Bundestagswahl 2017 zum Beobachten verdammt, ihre Stimme zählt eben noch nicht. Sie muss zusehen, wie eine Gesellschaft, in der sie noch nicht mitbestimmen darf, über ihre Zukunft bestimmt. Eine Gesellschaft, die tatsächlich in der Mehrheit aus alten Menschen besteht { Achtung Statistik – in 2015 waren es ca. 47 Mio. im Alter von 40-85 und älter und dagegen ca. 19 Mio. im Alter von 18-39}. Eine Altersgruppe, die sich leider oft genug vermeintlich bessere, alte Zeiten zurückwünscht. Denen leider ebenso oft alles Neue und Fremde Angst macht und für die Veränderung und Globalisierung etwas zutiefst Beunruhigendes ist. Was passiert, wenn eine solche Gesellschaft über die Zukunft von jungen Menschen bestimmt haben wir letztes Jahr in Großbritannien beim Brexit beobachtet.

Unsere Kinder leben in einer Welt, in denen Populisten, Autokraten und Diktatoren auf dem Vormarsch sind. In denen rückwärtsgewandte, nationalistische, rassistische und rechtsradikale Denkmuster plötzlich wieder salonfähig werden. Wohlgemerkt auch unter jungen Menschen. Weil man denkt, es ginge einem besser, wenn man sich nur um sich selbst kümmert. Dann muss man sich praktischerweise auch nicht mit globalen Problemen auseinander setzen, wenn man sie aussperrt, verleugnet oder ignoriert. In einer Welt in der man neuerdings kritischen Journalismus als „Lügen-Presse“ bezeichnet, weil man lieber an eigene „alternative Fakten“ glaubt. In der mit platten Parolen die Ängste der Menschen instrumentalisiert werden, um an die Macht zu kommen und man sich selbst gern als Opfer des „Establishments“{oder wahlweise anderer stilisierter Feinde} inszeniert, sobald man Gegenwind bekommt.

Aber das Motto „Wenn jeder an sich denkt, kommt ja keiner zu kurz“ funktioniert in unserer Welt nun mal nicht mehr. Whatever Country First ist keine Lösung für gar nichts. Und dass stilles Mitlaufen mit diesen gesellschaftszerstörerischen Denkmustern der falsche Weg ist, das sollten wir Deutschen eigentlich am allerbesten wissen.

My 2 cents | Geht wählen - denn echte Demokratie fängt bei jedem Einzelnen an - Bundestagswahl 2017 | luziapimpinella.com

In was für einem Deutschland wollen wir und vor allem unsere Kinder in Zukunft leben? Ich für meinen Teil habe ganz bestimmt mehr Angst vor rechtsnationalen Tendenzen als vor fremden Kulturen. Und mein Kind auch. Deshalb Luzies hier Aufruf und auch meiner… GEHT WÄHLEN! Nicht zu wählen ist keine Option! Es sei denn ihr möchtet gern die AfD wählen, dann bleibt von uns aus gern am Sonntag zu Hause.

P.S. Sehenswert zu dem Thema Nichtwählen finde ich das Video der Macher vom Minitatur Wunderland hier in Hamburg. Die Jungs machen sich damit sicherlich nicht bei allen beliebt, aber sie verzichten lieber auf Besucher, als dass sie ihren Mund halten. Chapeau!

Lesenswert auch dieser Artikel in der ZEIT. Denn leider werden wir als liberale Demokraten, gleich welcher Partei-Präferenz, ja wohl in den den nächsten Jahren irgendwie mit der giftigen Eskalationsrhetorik rechter Strömungen umgehen müssen. Und Schweigen ist da eben auch keine Option.

P.P.S. Für alle, die meinen Blog schon sehr lange lesen und denen das jetzt auf der Zunge liegt… Ja! Meine Tochter ist verdammt erwachsen geworden! ;) Und ich bin stolz auf sie. Sie hat auch das Foto für diesen Post bearbeitet.

16 Kommentare

  1. Schön, dass sich Luzie so für das politische Geschehen und die Zukunft so interessiert!
    Leider gibt es aber auch unter den Jungwählern viel zu viele Jugendliche die es nicht kümmert. Die nicht wissen was eine Wahl für sie selbst und die Zukunft bedeutet. Daher haben auch die Altwähler eine so hohe Wahlbeteiligung. Hut ab vor Deiner Luzie!
    & ich kann mich nur anschließen: Geht wählen!!
    Liebe Grüße, Yvonne

    • Das stimmt sicherlich le, Yvonne. Leider. Bei vielen Familien ist leider die Politik auch kein kein großes Thema. Von daher tragen die Eltern auch immer ein Stück weit zum allgemeinen Desinteresse bei. Aber auch bei den älteren Generationen ist ja Politik-Überdrüssigkeit und Gleichgültigkeit zu finden. Oder einfach das schlappe Argument, was bringt das schon, wenn ich wählen gehe?

      Nichts desto trotz wiegt der demografische Wandel schwer. Wenn nur ca. 19 Mio. der Bevölkerung im Alter von 18-39 sind und ca. 47 Mio., also die doppelte Menge quasi, im Alter von 40-85. Dann ist es klar, dass die älteren eine höhere Wahlbeteiligung haben. Und das sind nur die Zahlen von 2015. Die Gesellschaft wird in den kommenden Jahrzehnten durchschnittlich noch viel älter werden.

  2. Klasse – ja Nele durfte auch bei der „Jugendwahl“ mitmachen und ja sie hat zum Glück ihre eigene Meinung und ja hier bei uns wird auch über Politik und Politiker gesprochen und diskutiert!! Wir haben unseren Kindern relativ früh klar gemacht das es ein Privileg ist wählen zu dürfen und Lara darf dieses Jahr zum ersten mal mitwählen und sie freut sich drauf!! Und ich finde es toll das es mittlerweile auch in Schulen solche Aktionen gibt und vor allem das auch Politiker mal in die Schulen gehen!! Ich wünsche uns allen einen guten Wahlsonntag und kann auch nur sagen – geht wählen, außer ihr wollt wirklich afd wählen, dann bleibt besser liegen!!! Liebe Grüße und Danke für den tollen Beitrag Anha

  3. Dem ist nichts hinzuzufügen! Du sprichst mir wirklich aus der Seele!
    Wahnsinn… Deine Luzie ist wirklich kaum wiederzuerkennen! Eine richtig sympatische, junge Frau!!!!!
    Viele Grüße von Margit

  4. Wow, danke, dass du so politisch an dieser Stelle bist!
    Ich habe den verfserten Text jetzt wieder gelöscht, den mein Migränehirn hier hinterlassen wollte – aber das war nicht sinnvoll!

    Nur kurz: ich finde es wichtig und gut, dass gerade an allen Stellen Position bezogen wird, auch gerade in den jungen Medien – LeFloids Buch Demokratie an dieser Stelle genannt, um überhaupt Aufklärungen zu betreiben – ich hoffe, dass sie überall ankommt, nicht nur an den Bildungsstellen, die schon da sind!

    • Ich finde, wenn man Blogger ist und eine Reichweite hat, dann muss man sie auch für wichtigere Botschaften nutzen, als immer nur für hübsches Heititeiti {das ich ja nachweislich auch sehr mag}. In Deutschland wird ja eher in der politischen Mitte ungern über Politik geredet – dafür krakeelt der rechte Rand umso lauter. Es müssen viel mehr vernunftbegabte Menschen auch mal den Mund aufmachen, anstatt immer nur still den Kopf zu schütteln und sich leise ihren Teil zu denken!

  5. DANKE dafür, Nic und Luzie!!
    Ein wunderbar geschriebener Artikel zu einem sehr wichtigen Thema!
    Ich kann mich gar nicht genug bedanken!! <3 <3 <3

  6. Liebe Nic, liebe Luzie,
    danke für diesen tollen und wichtigen Beitrag!
    Der Gedanke mit den jungen Menschen war bei mir gar nicht so vordergründig, weil dass derzeitige Augenmerk ja mehr am rechten Rand und dem dazugehörigen Hass klebt. Aber ihr habt natürlich recht!
    Meine Tochter ist 22 und hat bereits Breifwahl gemacht. Sie hat das sehr ernst genommen und ihre Position per Wahlomat gegengecheckt. Ich kann deinen Stolz sehr gut nachvollziehen, liebe Nic.
    Liebe Grüße
    Annika

  7. ein guter Beitrag..
    nur bei dem Thema ältere Menschen möchte ich doch etwas widersprechen
    denn die Gewalt ob von links oder rechts geht von den jüngeren Leuten aus
    da ist das Gedankengut..warum auch immer vergiftet..
    vielleicht tragen die älteren trotzdem eine Mitschuld weil sie ein schlechtes Vorbild sind?
    Auch bei älteren Menschen ist Umweltbewußtsein angekommen
    auch leben die meisten von ihnen nicht so verschwenderisch in Sachen Konsum wie die jüngere Generation
    denn wir haben das sparen noch gelernt ;)
    schön dass deine Tochter sich so für Politik interessiert
    heute sieht man leider oft solche die von einer Party zur anderen laufen und sie jedes WE die Birne vollschütten :/
    du kannst stolz auf deine Tochter sein
    liebe Grüße
    Rosi

    • Hallo Rosi, danke für deinen Kommentar. Es ist sicherlich richtig, das man hier nicht pauschalisieren kann, aber das wollte ich mit meinem Blogpost auch gar nicht.

      Du hast auch bestimmt recht, wenn die sagst, linke und rechte Gewalt geht vor allem von jüngeren Menschen aus. Rechte verbale Aggression und rechtsradikales Gedankengut ist allerdings kein Privileg der Jungen. Da mischen ältere Generationen sehr wohl mit und sähen ebenso Hass – und das obwohl sie es als Kriegs- oder Nachkriegsgeneration eigentlich besser wissen müssten. Man muss sich nur mal die Versammlungen und Demonstrationen von Pegida und AfD ansehen, dann sieht mal eine ziemliche Durchmischung von jung und alt.

      Was das Umweltbewusstsein der älteren Generation angeht, hast du sicherlich auch recht. Aber auch da sehe ich leider – auch in meinem direkten Umfeld – dass es nur bei manchen angekommen ist. Das ist für mich auch kein Wunder, denn wir sind (ich bin 1970 geboren) – nicht zuletzt Dank einer Partei wie den Grünen – bereits mit Umweltfragen aufgewachsen und so ist das Thema für uns oft präsenter.

      Wo ich dir ganz vehement widersprechen möchte ist bei deinem Vorurteil von den ständig Party machenden und sich vollsaufenden Jugendlichen. Ich weiß ja nicht, wie viele Teenager du persönlich kennst, die sich so verhalten, ich kenne kaum welche. Und da meine Tochter in dem Alter ist und auch die Kinder von unseren relativ großen Freundeskreis, kenne ich so einige. Tatsächlich ist in Luzies Freundeskreis Alkohol ziemlich verpönt, sie feiern nicht mal Parties (was ich manchmal schon moniere;). Und das ist eben auch nicht so selten. Nur fällt es vielleicht weniger auf.

      Ganz bestimmt ist es so, dass es diese Partyfraktion gibt. Das möchte ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Die gab es übrigens auch schon als ich in den 80ern in dem Alter meiner Tochter war – und ich gehörte dazu. ;) Aber das sind, genau wie damals, bei weitem nicht alle und ich finde es eben auch pauschalisierend, diese Generation auf Handy, Party, Saufen zu reduzieren.

      Und danke dir Rosi… ja, ich bin stolz auf meine Tochter! :)

  8. Pingback: Ausnahmsweise: Es wird politisch. #ausgruenden – Happy Go Lala

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