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Unser Kind wird flügge… Luzie ist auf dem Weg nach Neuseeland, der Abschied und meine Muttergefühle

Familienleben | Wenn das Kind flügge wird... Luzies Auslandsaufenthalt in Neuseeland für einen High School Term, der Abschied und meine Muttergefühle | luziapimpinella.comGestern habe ich mir das erste mal in der ganzen Zeit meines Mutterdaseins gewünscht, unsere Tochter würde uns ein bisschen mehr zum Kotzen finden und froh sein, uns mal für eine Weile los zu sein. Ist sie aber nicht. Und das ist ja eigentlich auch schön… nur eben gestern nicht. Es war nicht nur Luzies Geburtstag. Dass sie 17 wurde, trat fast komplett in den Hintergrund. Aber es war eben auch der Tag, an dem sie nun endlich nach Neuseeland losgeflogen ist, um dort für ein paar Monate zu leben und zur High School zu gehen. Am anderen Ende der Welt, noch mehr Kilometer zwischen uns gehen eigentlich nicht. Das fühlt sich komisch an.

Noch ist sie gar nicht angekommen, erst heute Nacht um halb Zwölf wird sie in Auckland landen, nach einem ewig langen Flug mit Zwischenstop in Dubai. Mir wird ein Stein vom Herzen fallen, wenn wir dann die kurze Nachricht bekommen, dass sie heil angekommen ist und ihre Gastfamilie sie am Flughafen willkommen geheißen hat. Mehr muss ich erst einmal nicht wissen, dann bin ich schon mal ein stückweit beruhigt.

Der Tag gestern war schlimm. Nicht, weil ich die überängstliche Mutter gegeben hätte… nein, das bin ich auch nicht. Ich kann loslassen. Aber es war so hart, mein Kind so traurig zu sehen. Luz ist ein sehr emotionaler Mensch und Abschiede machen ihr zu schaffen. Dies war der größte Abschied, den sie in ihrem Leben bisher bewältigen musste. Die Tränen flossen immer wieder den ganzen Tag lang, bis sie hinter dem Security Check dann irgendwann verschwand. Das brach uns fast das Elternherz, während wir uns selbst ganz wacker hielten. Denn wir kennen unser Kind lange genug, um zu wissen, dass das Mitheulen ihre Trauer nur noch befeuert hätte. Stephan und ich hatten unsere Schniefanfälle erst richtig, als sie ein bisschen außer Sichtweite war und später im Auto nach Hause.

Die Sache mit den Wurzeln und den Flügeln…

Es gab eben diese Momente gestern, wo ich dachte, dass es einfacher wäre, wenn wir uns uns nicht so nah wären. Wenn sie uns nicht so lieb haben würde und solche Angst hätte, uns zu vermissen. Wenn sie mehr so die Teenagerin wäre, die froh ist, wenn ihr ihre Eltern mal eine Weile nicht auf den Sack gehen. Aber so ist es nicht und das ist ja auch wunderbar. Ich bin gleichzeitig ein bisschen stolz gewesen, dass wir so eine große Liebe haben. Und Liebe tut eben manchmal weh.

Familienleben | Wenn das Kind flügge wird... Luzies Auslandsaufenthalt in Neuseeland für einen High School Term, der Abschied und meine Muttergefühle | luziapimpinella.comDie beiden linken Fotos von Luzie und mir sind von vor 10 Jahren, das rechte vom letzten Sommer. Manchmal frage ich mich, wieso das alles so schnell gehen musste. Das fragen sich sicherlich fast alle Eltern überall auf der Welt. Aber zur Elternliebe gehört eben auch das mit den Wurzeln und den Flügeln. Starke Wurzeln hat sie offensichtlich, da haben wir wohl etwas richtig gemacht. Flügel haben wir ihr geschenkt, aber das Benutzen, das muss sie jetzt selbst und alleine üben. Sie wird das meistern, da bin ich sicher. Sie ist eine starke, junge Frau, sei der Kern auch noch so hochemotional. Und natürlich wünschen wir uns, dass wenn die schlimmste Sehnsucht erst einmal abgeklungen ist, unser Kind die großartigste Zeit ihres Lebens da drüben in Neuseeland haben wird.

Sobald ich mich wieder sortiert und an den Umstand gewöhnt habe, dass wir jetzt temporäre Waiseneltern sind, werde ich gern einen Blogpost darüber schreiben, wie wir Luzies High School Auslandsaufenthalt in Neuseeland organisiert haben, wer uns geholfen hat und auf welche wundersame und ungewöhnliche Weise sie an ihre Gastfamilie gekommen ist. Auch, weil ihr auf Instagram in den Stories schon immer wieder mal Fragen hattet, wenn die Sprache auf Luzies Neuseeland-Reise kam. Falls ihr konkrete Fragen habt, könnt ihr sie auch jetzt hier noch stellen. Ich versuche, dann alle zu beantworten.

Für heute warte ich erst einmal auf die „Angekommen!“ Nachricht. Ich habe gerade mal auf Flight Radar geschaut, unser Kind ist bereits über Australien. Was für ein Abenteuer.

luzia pimpinella Gruss Macht's hübsch!

P.S. Lieben Dank auch nochmal an alle Mutterherzen, die das schon durchgemacht haben und die mir in meinen Insta-Stories gestern spontanen Zuspruch geleistet haben. Das hat mich sehr gerührt und auch geholfen.

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13 Comments

  • Reply
    Martina
    23. Januar 2019 at 19:23

    Ich heule ❤️ Oh Gott und ich dachte, mir passiert das nicht!!!
    Aber deine Methaphern sind so wahr und wunderschön gewählt! Ich wünsche mir, dass meine Kinder auch eines Tages ein Tränchen vergießen. Ich glaub, die Chancen stehen ganz gut!😉
    LG Martina

  • Reply
    tania @tabruma
    23. Januar 2019 at 19:41

    danke liebe nic für diese post, danke auch deine gefühle mit uns zu teilen. ich fühle mit dir. bin gespannt auf die nächste post mit die details von luzies reise. lg tania

  • Reply
    Anny
    23. Januar 2019 at 21:07

    Ihr seid echt ein Family-Vorbild! 😘

  • Reply
    Antje
    23. Januar 2019 at 22:10

    Liebe Nic, mir rollen die Tränen. Mit 19 Jahren bin ich für ein Jahr nach Neuseeland gereist. Mir fiel der Abschied auch total schwer. Ich hänge sehr an meiner Familie. Nun bin ich selbst Mami und denke oft daran, wie ich wohl reagiere, wenn meine Tochter eines Tages diesen Wunsch äußert. Es wird mir wohl so schwer fallen,.. und erst jetzt kann ich fühlen, wie sich wohl meine Eltern gefühlt haben. Ihr seid großartig zusammen und Luzie wird es bei den Kiwis lieben! Und solltet ihr noch einen Kiwi-Kontakt brauchen, kann ich euch nur an meine bezaubernde Gastfamilie vermitteln. Ich wünsche Luzie eine wunderschöne Zeit. Alle Liebe!

  • Reply
    Katrin
    23. Januar 2019 at 22:25

    Hallo !
    Ich kenne genau deine Gefühle. Meine Tochter kommt nächste Woche nach drei Monaten in Indien wieder nach Hause. Die Zeit für uns leichter als gedacht, aber nicht immer sorgenfrei . Mal hat sie ihre Bankkarte verloren , dann war sie verreist und hatte keinen Handy Empfang…
    Aber wir sind megastolz auf sie und freuen uns auf nächste Woche. Ende Februar geht sie dann für ein paar Monate nach London. ( Ist ja nur ein Katzensprung entfernt ).
    LG Katrin

  • Reply
    Romy
    24. Januar 2019 at 8:26

    Vielen Dank, dass Du diese Erfahrung mit uns teilst. Ich freue mich sehr auf weitere Infos.
    VG

  • Reply
    Martina
    24. Januar 2019 at 9:04

    Liebe Nic,
    ich habe mitgefiebert in deinen Insta-Stories. Auch die Ankunft gesehen. Durchatmen.
    Toll, wie ihr das alles meistert. Das mit den Flügeln und Wurzeln. Ich hoffe, das bekommen wir auch so gut hin. Unser Sohn ist erst 8 Jahre alt (auch da denke ich schon -> wo ist die Zeit hin?) und ich bin gespannt, ob er auch einmal so ein Abenteuer wagt. Da ich selber 2x länger Zeit im Ausland war, kann ich ihn nur unterstützen. Aber als Mutter ist das doch irgendwie gefühlt anders als als „selbst-Reisende“. Ich weiß noch, als damals meine Eltern und ich am Rollfeld (man musste selbst zur Maschine gehen) standen, meine Tränen flossen und sich meine Eltern ebenfalls tapfer hielten.
    Wenn es bei uns mal so weit sein sollte, werde ich im Vorfeld Packungen von Baldrian verschlingen müssen ;-)…
    Freue mich auf Deine weiteren Berichte und muss nochmal sagen -> ihr macht das GROSSARTIG!
    Liebe Grüße,
    Martina

  • Reply
    Katrin
    24. Januar 2019 at 9:41

    Hallo!
    Antje hat fast das gleiche geschrieben, was ich gerade gedacht habe: Ich war mit 19 Jahren für ein Jahr in den USA. Der Abschied von der Familie war hart, es war das erste und einzige Mal in meinem Leben, dass ich meinen Vater habe weinen sehen. Da treten mir heute noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Dann wurde es so eine tolle Zeit, mit die besonderste Zeit in meinem Leben. Wie gut, dass ich das erlebt habe! Und meine Eltern sagen das auch. Irgendwie hat es uns als Familie auch noch mehr verbunden. Wir haben uns so lange, ausführliche Briefe geschrieben (da war das Internet-Zeitalter noch nicht ganz angebrochen) und der Besuch von Eltern und Schwester war wunderschön für die ganze Familie.
    Und nun bin ich selber Mama. Wie sehr würde ich meiner Tochter auch so ein Erlebnis gönnen! Und wie fürchterlich fände ich es gleichzeitig! Wenn es dann aber mal so weit ist, würde ich ihr aber auf jeden Fall jede Unterstützung diesbezüglich geben.
    Für Euch und Luzie nur das beste bei dieser aufregenden Zeit!

  • Reply
    Uta
    24. Januar 2019 at 20:10

    Hallo Nic, Danke für deine Gedanken, die ich sehr gut nachfühlen kann. Ich hab auch so eine Beziehung zur großen Tochter die gern viele Dinge erleben will und dann aber traurig ist, wenn sie von daheim weg muss. Ich würde mich freuen, wenn du über das Arrangement des Auslandsaufenthalt eingehen würdest.

    Ich war und bin (45) immer noch ein Mensch der sehr an seiner Mutter hängt, sie ist mir eine der wichtigsten Personen überhaupt. Ich hab mich 1992 mit einem Jahr Au-pair-Mädchen in den USA abgenabelt. Die Zeit hat mich geprägt. Und damals gabs noch kein Internet und co. alles gute fürs Kind!!!

  • Reply
    Karin Be
    24. Januar 2019 at 20:50

    Ist das nicht schön, wie Kinder ihre Flügel probieren und nicht einfach ihre Koffer packen und abhauen?
    Letzteres war immer meine größte Sorge, dass meine Kinder einfach nur weg von mir wollen. Entsprechend dankbar war ich, dass sie mit dem Rüstzeug aus Liebe, Vertrauen und einem gesunden Selbstbewusstsein, das ich beiden mitgab, nicht zu Stubenhockern wurden, sondern genau das taten wie Deine Tochter, eine Runde fliegen üben wenn es möglich war/ist.
    Deiner Tochter eine tolle Zeit und euch Eltern auch ;-)
    Viele Grüße,
    Karin
    Wenn es dann allerdings soweit ist, dass es ans Abschiednehmen geht, liebe ich es sie bis zum letzten Winken zu begleiten, um danach verzugslos irgendeinen Flighttracker zu aktivieren. Ich habe vor allem Flugangst, wenn meine Kinder in der Luft nach Irgendwo sind ;-)

  • Reply
    Ina E.
    25. Januar 2019 at 9:33

    Liebe Nic, auch ich bin Mutter zweier wundervoller Töchter (13 und 5), mich ereilt das alles also noch. Aber ich kann Dir von meiner Erfahrung berichten (ich war nämlich selbst ein Jahr in den USA mit 16 Jahren und kann mich noch gut erinnern.
    Ich hatte das Gefühl, was Du Dir ein bisschen gewünscht hast. Ich fand meine Eltern damals doof und dachte, Jackpot, 1 Jahr ohne die doofen Eltern. Bin also euphorisch rübergeflogen, nach etlichen Stunden bei meiner Gastfamilie angekommen, ausgepackt, schlafen gegangen und am nächsten Morgen von dem ohrenbetäubenden Lärm des Radioweckers meines Gastvaters hoch geschreckt. Und da saß ich nun: allein in einer völlig fremden Umgebung im Haus von völlig fremden Menschen (damals gab es ja noch kein Internet – man glaubt es kaum) und es kam wie es kommen musste, fast sofort stellte sich ganz furchtbares Heimweh ein. Ich heulte nur noch, aß nichts, meine Gasteltern waren am Verzweifeln und ich wollte nur noch nach Hause. Meine Eltern hatten den Anruf abgewartet, dass ich gut angekommen bin und sind dann abgedüst mit ihrem VW-Bus, um 5 Wochen durch Frankreich zu reisen. Verabredet hatten wir nur, dass wir jeden Montag telefonieren (später las ich in einem Tagebuch meiner Eltern, wie schwierig es war eine Telefonzelle zu finden, mit der man nach Übersee telefonieren konnte). Ich heulte nur am Telefon und meine Vater wurde schnell weich. Er beschloß, der Urlaub wird abgebrochen, er fliegt in die USA und holt mich nach Hause. Meine Mutter bot ihm Einhalt und sagte: so ein Quatsch, sie wollte es so, dann muss sie da durch. Und wie recht sie hatte. Ich wurde ziemlich schnell abgelenkt durch die Schule, hatte wahnsinnig liebe Gasteltern und hatte eine tolle Zeit in den USA. Noch heute habe ich Kontakt zu meinen Gasteltern und wir haben dank Internet viele Möglichkeiten der KOmmunikation. Ich möchte diese Zeit niemals missen, bin sehr erwachsen und dankbar geworden, darüber, was ich habe. Auch meine Eltern sind danach viel lockerer geworden, was unser Verhältnis entspannter und inniger hat werden lassen.
    Nur noch kurz am Rande: alle anderen Austauschschüler hatten dann Weihnachten wahnsinniges Heimweh, ich dann zum Glück nicht mehr, wie auch bei 35 Grad.
    Also egal, wann Heimweh, es ist wichtig und richtig! Und toll, dass Deine Tochter sowas machen kann.
    Sei lieb gegrüßt,
    die Ina vom Lollapalooza 2017

  • Reply
    elfi
    4. Februar 2019 at 8:38

    kopf hoch.. kann da mitfühlen.. mein sohn ist fotoreporter schon seit vielen jahren und noch immer habe ich angst!lg

    • Reply
      Nic {luzia pimpinella}
      4. Februar 2019 at 8:46

      Danke Elfi, aber Angst habe ich eigentlich nicht ich eigentlich nicht. Bei dir allerdings verständlich.

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